Psychotherapie bei Autismus und Asperger-Syndrom

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Ziel der Studie war es, die Bedürfnisse erwachsener Autisten bei einer ambulanten Psychotherapie zu untersuchen. Daher entwickelte die AFK einen Online-Fragebogen, der verschiedene Bereiche erfasst: 1. die Gründe für den Wunsch nach ambulanter Psychotherapie, 2. Erfahrungen auf der Suche nach einem ambulanten Therapieplatz, 3. was autistischen Erwachsenen im Rahmen einer Therapie besonders wichtig ist.

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Wissenschaftliches Poster
für die WTAS 2015

Poster folgt

Abstract für die WTAS 2015

Ambulante Psychotherapie bei Personen mit Autismus-Spektrum-Störung: Zugang und Zufriedenheit

Hintergrund: Im Hinblick auf ambulante Psychotherapie (aPT) äußern Personen mit einer
Autismus-Spektrum-Störung (ASC) häufig das Empfinden, erschwerte Bedingungen zu haben.
Diese Studie erfasst, inwieweit Personen mit ASC einen erschwerten Zugang zu aPT haben, welche Wünsche bezüglich Kontaktaufnahme und TherapeutInnen vorliegen sowie die Zufriedenheit mit bereits gemachten aPT.
 
Methode: Für die Teilnahme an einer anonymen Online-Fragebogen-Studie wurden in InternetForen und Selbsthilfegruppen 139 Teilnehmer mit ASC (Alter: M=39, SD=12; 63% Frauen) und 96 Teilnehmer (K) mit der Hauptdiagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) oder Zwangsstörung (OCD) (Alter: M=34, SD=10; 79% Frauen) rekrutiert und zu ihren Erfahrungen mit aPT befragt. Die Diagnose musste durch einen Facharzt oder Psychologen gestellt worden sein. Ein Einfluss von Geschlecht auf die gruppenübergreifenden Ergebnisse konnte nicht nachgewiesen werden.
 
Ergebnisse: Obwohl Teilnehmer mit ASC im Alltag ohne Hilfe signifikant weniger zurechtkamen (p=.002) und tendenziell häufiger als die Kontrollpersonen über eine aPT nachgedacht hatten (p=.097), haben diese insgesamt signifikant weniger Therapien gemacht (p=.002). Bei der Suche nach einer aPT unternahmen die ASC Personen weniger Kontaktaufnahmen (p=.000) und
 

erhielten weniger Absagen als die klinische Kontrollgruppe (p=.000). Dennoch gaben 105 (81%) Personen mit ASC an, den Zugang zu aPT erschwert zu empfinden (K: n=64; 74%). Als Mittel zur Kontaktaufnahme wünschten sich Personen der ASC Gruppe signifikant häufiger E-Mail als Personen der Kontrollgruppe (p=.000). Weitere Ergebnisse, wie Wünsche bezüglich TherapeutInnen-Verhalten und PatientInnen-Zufriedenheit sollen auf der Tagung vorgestellt werden.

Schlussfolgerung:
Personen mit ASC haben trotz größeren Hilfebedarfs und häufigeren Gedanken an eine aPT weniger Kontaktaufnahmen als die Kontrollgruppe unternommen. Im Unterschied zu klinischen Kontrollpersonen war für Erwachsene mit ASC das wünschenswerteste
Mittel zur Kontaktaufnahme E-Mail. Die subjektive Einschätzung des erschwerten Zugangs zu
aPT könnte also mit den typischerweise angebotenen Kontaktwegen für aPT zusammenhängen,
die nicht auf die Bedürfnisse autistischer Menschen zugeschnitten sind.
 

 

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Silke Lipinski (1,2), Ulrike Sünkel (2,3), Hanna Drimalla (1,2), Elisabeth Blanke (1,4), Thomas Bergmann (2), Regina Hartmann (2), James Anglim (2), Oliver Speer (2), Isabel Dziobek (1,2)
(1) Humboldt-Universität zu Berlin
(2) Autismus-Forschungs-Kooperation Berlin (AFK)
(3) Eberhard Karls Universität Tübingen
(4) Max-Planck-Institut für Bildungsforschung